Pielenhofen ade!

Wir 4.-Klässler tun heut hier in Pielenhofen zum letztenmal tagen;
unsere Zeit hier ist rum, wir müssen "Auf Wiedersehn" sagen.
Die meisten von uns werden sich nach den
Ferien im Kaff wiedersehn,
einige müssen – leider – einen anderen Weg gehn.

Da sich der Herr Direktor, unsere Lehrer, die Erzieher,
die Schwestern, die Hausmeister und das Personal 2 Jahre mit uns mussten plagen,
finde ich es nötig, allen ganz herzlich Danke zu sagen.

Die schlimmste Klasse – seit in Pielenhofen Spatzen singen –
sollen wir gewesen sein;
eigentlich sollt ich´s nicht verraten,
denn Applaus bringt uns das nicht ein.

Unser Wortschatz enthielt Wörter von ganz übler Sorte;
ehrlich, heut kennen wir nicht mehr solche Worte.
Zum Herrn Direktor durften wir mit
unseren Sorgen immer kommen
und er hat uns stets ernst genommen.

Seine Bürotür stand für uns immer auf,
auch an Tagen, wo er selber war schlecht drauf.
Immer hat er uns ertragen
und geduldig beantwortet unsere vielen Fragen.

An seinem Computer durften wir mit der Maus rumklicken
und ganz nebenbei auch noch seine Gutl verdrücken.

Jeden 2. Sonntag musste er am Bahnhof sein;
denn da trafen wir wieder von zu Hause ein.
Und läutet sein Handy, er reagierte gefasst;
Klar, da hat wieder einer seinen Zug verpasst.

Also weiter warten bis der nächste Zug läuft ein
und hoffen, da möge der Kerl dann drinnen sein.
Er war froh, wenn dann endlich waren alle eingefangen
und tatsächlich ist ihm bis heute auch noch
keiner verloren gegangen.

Unser Chorleiter, der Herr Karl, hatte es mit uns besonders schwer,
denn er hat ja schon von Berufs wegen ein ganz sensibles Gehör.
Und wenn nun 30 Buben (von meiner Sorte)

stürzen mit Geschrei in den Musiksaal hinein,
das muss doch für so einen Menschen der reinste Horror sein.

Er aber wusste, was zu machen ist,
damit wir ihm bald hörten zu:
immer wieder Gotteslob-Lieder abschreiben –
das brachte auch die größten Schreier zur Ruh.

Und weil auch eine Strafe nicht nur Nachteile tut bringen,
können die eifrigsten Schreiber jetzt

viele Kirchenlieder auswendig singen.

Herr Sack hat mit viel Ruhe und Geduld
in allen anderen Fächern uns geschult.
Auch in der Turnhalle und am Sportplatz
hat er für uns sein Bestes gegeben,
und uns auch körperlich fit gemacht für unser weiteres Leben.

Während Herr Zaus den Ehrgeiz hatte
aus jedem zu machen einen Pianist,
kümmerte sich Frau Reiser, dass unsere Stimme gebildet ist.

Frau Pflamminger versuchte unsere handwerklichen
Fähigkeiten zu testen – mit viel Geschick;
da hatte sie bei manchen mehr, bei anderen weniger Glück.

Schön waren auch die Stunden in Religion
und ganz besonders die Vorbereitung auf die Erstkommunion.
Gern war ich auch Ministrant
und freute mich, wenn ich dazu wurde ernannt.

Andreas deutliche Stimme war für uns von Vorteil nur,
hörten wir doch sofort, wenn sie sich näherte unserem Flur.
Auch der Sound ihrer Schritte war uns bestens bekannt,
kam der uns ins Ohr, sind wir blitzschnell in unsere Betten gerannt.

Nur selten gaben wir ihr Gelegenheit zum Lachen;
heute frag ich mich – war es nötig, ihr das Leben so schwer zu machen?
Wir wissen, dass wir manchmal waren ein Graus;
drum ein besonderes "Vergelt´s Gott", dass sie es trotzdem mit uns gehalten hat aus.

Wer behauptet: uns zu betreuen sei ein Vergnügen,
der erzählt der Menschheit ganz schreckliche Lügen.

Bei unseren Ausflügen mit dem Bus hatten wir ganz viel Spaß.
Einmal wurden wir dabei bis auf die Unterhose nass.
Die Heimfahrt war lustig und richtig schön;
unsere Klamotten hingen im Bus zum Trocknen
und wir durften in die Glotze sehn.

Manch LKW-Fahrer, der zufällig in unseren Bus reinschaute,
gewiss, kaum seinen Augen traute.
Er schüttelte den Kopf, wir taten ihm leid;
sahen wir doch aus wie nasse Spatzen ohne Federkleid.

Das Küchenpersonal wollen wir beim Danke sagen
auf keinen Fall vergessen;
sorgten sie doch täglich für gutes Essen.
Was immer sie brachten aus der Küche raus,
mir hat´s geschmeckt – oft besser als zu Haus.

Für die Schwester, die unseren Schlaf bewachte,
gab´s Nächte, wo sie kaum ein Auge zumachte.
Erst wollte in manchen Zimmern keine Ruhe sein,
da einigen immer wieder ein neuer Unsinn fiel ein.

War´s dann endlich still und sie hat gemeint,
sie kann sich nun legen hin,
musst sie raus und ein vollgespucktes Bett frisch beziehn.

Dann tat einer über Halsschmerzen klagen,
beim anderen rumorte es im Magen.
Immer kam gleich die Nachtschwester an
und schaute, ob sie uns schnell helfen kann.

Auch unsere Hausmeister hielten wir auf Trab.
Die freun sich jetzt auf die Ferien und wir gehn ihnen bestimmt nicht ab.
Mal trugen sie unsere Koffer hinauf dann räumten sie liegengebliebene Schlitten auf,
holten Tischtennisschläger aus der Dachrinne raus,
halfen auch als Taxifahrer aus
und kümmerten sich auch sonst um jeden Schaden im Haus.

So, nun hör ich auf, sag auf Wiedersehn und komme zum Schluss;
denn ich riech schon aus dem Garten die Würschtl,
die ich ja auch noch essen muss.

Unseren Betreuern wünsch´ ich von ganzem Herzen,
dass wir die schlimmste Klasse gewesen sind für alle Zeiten
und alle kommenden Schüler ihnen nie Sorgen,
sondern immer nur Freude bereiten.

Bleiben sie gesund, locker und vor allem von Vor- Ver- Ur- teilung frei,
denn ich bin überzeugt, in einigen Jahren,
bringt mancher von uns seinen Sohn hier vorbei.

(Friebe Christoph - 10 Jahre - Schulschluss 2000)